Kreis Segeberg. Ein schwerer Bahnunfall erschüttert Bad Bramstedt: Ein Zug entgleist, ein Bahnwaggon kippt um, zahlreiche Menschen kommen ums Leben oder werden verletzt. Gleichzeitig tritt eine gefährliche Flüssigkeit aus, die die Atemwege angreift und das Grundwasser verseucht. Einsatzkräfte müssen den Unfallort sichern, Verletzte versorgen, Häuser evakuieren und eine drohende Gewässerverunreinigung eindämmen.  Doch damit nicht genug: An anderer Stelle gerät ein weiterer Zug in Schwierigkeiten – dabei wird Munition entdeckt. Während die Einsatzkräfte noch mit diesen Herausforderungen beschäftigt sind, brennt im Süden des Kreises ein Feld mit rund 800 Heuballen. Und in Trappenkamp kommt es zu einem weiteren Großbrand mit mehreren Toten. 

Zum Glück nur eine Übung: Um auf solche komplexen und miteinander verbundenen Schadenslagen vorbereitet zu sein, hat der Katastrophenschutzstab des Kreises Segeberg erneut den Ernstfall geprobt. Zwei Tage lang übten Mitarbeiter*innen der Kreisverwaltung sowie Fachberater*innen von Bundes- und Landespolizei, Feuer-wehr, Deutschem Roten Kreuz (DRK), Rettungsdienst, Technischem Hilfswerk (THW), Bundeswehr und Psychosozialer Notfallversorgung, wie ein solches Szenario bewältigt werden kann. 

Begleitet und gesteuert wurde die Übung von einem externen Team aus Katastrophenschutzexpert*innen. Sie stellten die Beteiligten immer wieder vor neue Heraus-forderungen und spielten zusätzliche Entwicklungen dynamisch in das Szenario ein.    Als untere Katastrophenschutzbehörde ist der Kreis Segeberg verpflichtet, einen Führungsstab (FüStab) zur Bewältigung von Großschadenslagen und Katastrophen vorzuhalten und im Ernstfall zu aktivieren. Der Stab kam für die Übung genau dort zusammen, wo er auch im tatsächlichen Ernstfall tätig werden würde. Von hier aus wurden die fiktiven Einsatzlagen bewertet, Entscheidungen getroffen und die erforderlichen Maßnahmen koordiniert. 

Rund 40 Frauen und Männer waren während der Übung in unterschiedlichen Funktionen im Einsatz. Das Aufgabenspektrum des Stabes ist breit: Personal, Unterkünfte, Verpflegung, Treibstoff und weitere Ressourcen müssen organisiert und den jeweiligen Einsatzstellen zugewiesen werden. Gleichzeitig werden die Lageinformationen fortlaufend zusammengetragen, bewertet und auf Karten visualisiert. Nur mit einem möglichst aktuellen und umfassenden Lagebild können die Einsatzkräfte gezielt ein-gesetzt und notwendige Maßnahmen eingeleitet werden. 

Eine besondere Bedeutung kommt auch der Information der Bevölkerung zu. Das Presse- und Medienteam muss im Ernstfall schnell und verständlich über die Lage informieren, Warnungen herausgeben und Hinweise zum richtigen Verhalten vermitteln. Dazu gehört auch, über Evakuierungen, Anlaufstellen oder gesperrte Bereiche zu informieren und gleichzeitig auf die Verbreitung unbestätigter Informationen zu reagieren – vor allem in den sozialen Netzwerken.  Damit die verschiedenen Bereiche des Führungsstabes miteinander arbeiten können, sind außerdem leistungsfähige Technik und Kommunikationsmittel unverzichtbar. Auch hierfür stehen erfahrene FüStabMitglieder bereit, die Computer, Telefone und die Stabssoftware betreuen und die Kommunikation mit den Einsatzkräften sicher-stellen.  „Die Übung hat erneut gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns auf unterschiedliche und gleichzeitig auftretende Schadenslagen vorbereiten. Gerade die Verbindung mehrerer Einsatzereignisse stellt besondere Anforderungen an die Koordination und Entscheidungsfähigkeit unseres Stabes“, fasste Landrat Jan Peter Schröder zum Abschluss der Übung zusammen. „Solche Übungen geben uns die Möglichkeit, Schwachstellen zu erkennen, Abläufe zu überprüfen und für den Ernstfall noch besser vorbereitet zu sein. Ich muss allen Beteiligten ein großes Lob aussprechen. Unser Katastrophenschutz-Team ist sehr eingespielt, bleibt stets ruhig und konzentriert. Das haben wir uns hier im Kreis über viele Jahre hart erarbeitet. Weiter so!“ 

Auch die externen Katastrophenschutzexpert*innen zogen zum Abschluss ein positives Fazit: „Die Stabsübung zeigte einen leistungsfähigen und engagierten Stab, der auch unter komplexen Rahmenbedingungen arbeitsfähig blieb.“ 

Die Übung bot die Möglichkeit, die Zusammenarbeit der verschiedenen Stabsbereiche unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben, Abläufe zu überprüfen und weitere Erkenntnisse für die Bewältigung künftiger Großschadenslagen zu gewinnen. 

Denn auch wenn ein solches Szenario nur auf dem Papier stattfindet: Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, um Menschenleben zu schützen und eine Gefahrenlage schnell in den Griff zu bekommen.