Quickborn.Der Kunstverein Quickborn zeigt vom 13. bis 15. November TECTA-Design– und erzählt dabei eine ganz persönliche Quickborner Geschichte. Was verbindet Quickborn mit dem Bauhaus und der Möbelmanufaktur TECTA im niedersächsischen Lauenförde? Die Antwort ist eine Geschichte von Design, Familie und persönlichen Verbindungen – und sie führt auf besondere Weise zurück nach Quickborn. Vom 13. bis 15. November präsentiert der Kunstverein Quickborn unter dem Titel „BauhausNowhaus“ Designstücke der Möbelmanufaktur TECTA aus Lauenförde. TECTA bewahrt nicht nur das Erbe des Bauhauses, sondern versteht sich ausdrücklich als Ort, an dem Bauhausgeschichte weitergeschrieben wird – im Zusammenspiel von Handwerk, Design und zeitgenössischer Gestaltung.

Dass diese Ausstellung in Quickborn stattfinden kann, ist maßgeblich der Initiative unseres Vereinsmitglieds Doris Nedelmann zu verdanken. Sie stellte den Kontakt zu TECTA und zum heutigen Geschäftsführer Christian Drescher her. So konnte der Kunstverein eine Verbindung aufnehmen, die weit über eine klassische Ausstellungspartnerschaft hinausgeht.

Ein TECTA-Geschäftsführer mit enger Verbindung zu Quickborn Denn Christian Drescher hat eine ganz persönliche Beziehung zu Quickborn: Im Alter von 14 Jahren kam er mit seiner Familie in die Stadt, machte hier 1992 sein Abitur und verließ Quickborn anschließend für seinen weiteren Weg. Die Verbindung zur Stadt blieb jedoch bestehen – insbesondere der Kontakt zur Familie Nedelmann. 

Sein weiterer Weg führte ihn nach Lauenförde und zu einer Möbelmanufaktur, deren Geschichte eng mit dem Bauhaus verbunden ist. Dabei spielte seine eigene Familiengeschichte eine entscheidende Rolle. Sein Onkel Axel Bruchhäuser und sein Großvater Werner Bruchhäuser waren nach der Enteignung ihrer Möbelfirma in Güstrow/DDR in den Westen geflohen. In Lauenförde übernahmen sie die bereits 1956 gegründete Möbelmanufaktur des Architekten Hans Könecke und entwickelten das Unternehmen weiter.

TECTA begann, Bauhaus-Modelle, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr oder teilweise noch nie in Produktion gewesen waren, als originalgetreue und mit sichtbaren Änderungenlizenzierte Reeditionen neu aufzulegen und verfügbar zu machen. Damit wurde ein wesentlicher Grundstein für die anhaltend enge Verbindung des Unternehmens zum Bauhaus gelegt.

Heute führt Christian Drescher diese Arbeit fort. TECTA fertigt unter anderem werkgetreue, lizenzierte Reeditionen von Bauhaus-Entwürfen und verbindet sie mit einer eigenen zeitgenössischen Designpraxis. Neben den historischen Reeditionen entwickelt TECTA gemeinsam mit zeitgenössischen Gestaltern neue Entwürfe und versteht das Bauhaus dabei nicht als abgeschlossene Epoche, sondern als fortwirkende Grundlage.

„Das Bauhaus ist für uns keine abgeschlossene Geschichte. Es ist eine Grundlage, auf der wir weiterarbeiten – mit unseren Werkstätten, mit Gestaltern und mit den Fragen unserer Zeit“, beschreibt Drescher den Anspruch von TECTA. Es geht also nicht allein darum, historische Entwürfe zu bewahren. Vielmehr sollen die Ideen des Bauhauses lebendig bleiben, weitergedacht und immer wieder auf die Gegenwart bezogen werden. „BauhausNowhaus“ zeigt damit nicht nur historische Kontinuität, sondern auch, wie aus einem Kunstverständnis nebst gestalterischen Erbe Gegenwart, trotz des Verbots durch die Nationalsozialisten, heute werden kann – und wie sich dabei eine Verbindung von Lauenförde zurück nach Quickborn schließt.

Das Kragstuhlmuseum in Lauenförde Zu dieser Philosophie gehört auch das Kragstuhlmuseum in Lauenförde. Die Sammlung geht auf Axel Bruchhäuser zurück, der die Originale zunächst zusammentrug, um die historischen Möbel für eine möglichst originalgetreue Fertigung studieren zu können.

Heute ist das Museum ein besonderer Ort der Designgeschichte. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung des Kragstuhls, jenes freischwingenden Stuhls, der wie kaum ein anderes Möbelstück für die gestalterische Aufbruchsstimmung des Bauhauses steht.

Bauhaus wird 100 – und bleibt aktuell „BauhausNowhaus“ fügt sich damit unmittelbar in die Beschäftigung mit dem 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum 2025/26 ein. Ein Jahrhundert nach den prägenden Jahren des Bauhauses stellt sich mehr denn je die Frage, was von seinen damals revolutionären Ideen und Prinzipien geblieben ist – und wie sie in der Gegenwart weiterwirken.

Für TECTA lautet die Antwort: nicht allein im Museum, sondern in der täglichen Arbeit. In eigenen Werkstätten, im Umgang mit Materialien, im Handwerk und in der Weiterentwicklung historischer Entwürfe. TECTA bezeichnet den eigenen Ansatz als eine Verbindung von Bewahren, Weiterentwickeln und Diskutieren der Bauhaus-Prinzipien. Das dokumentiert auch das sogenannte Bauhaus-Manifest 2026, dessen Wortlaut in der Ausstellung eingesehen werden kann und inzwischen von mehr als 40000 Einzelpersonen und Organisationen unterzeichnet wurde.

Ein Vortrag mit persönlichem Bezug Während der Ausstellung wird Christian Drescher in einem Vortrag über die Geschichte und Ausrichtung der Manufaktur TECTA berichten. Für das Publikum in Quickborn ist das mehr als ein Blick hinter die Kulissen eines renommierten Designunternehmens.

Drescher kehrt an einen Ort zurück, der zu seiner eigenen Geschichte gehört. In der Stadt, in der er seine Schulzeit verbrachte und sein Abitur machte, spricht er heute über seinen Lebensweg, die Geschichte seines Onkels und ein Unternehmen, das sich dem Erbe des Bauhauses verschrieben hat. Damit schließt sich ein bemerkenswerter Kreis: von Quickborn nach Lauenförde – und mit „BauhausNowhaus“ wieder zurück.

Der Kunstverein als Brückenbauer Der Kunstverein Quickborn hat mit dieser Ausstellung eine Verbindung neu belebt, die ohne das Engagement von Doris Nedelmann vermutlich nicht entstanden wäre. Eine Bauhaus-Kennerin aus den Reihen des Vereins bringt ihre persönliche Leidenschaft ein, stellt Kontakte her und öffnet damit den Weg zu einer Manufaktur, deren Geschichte eng mit den großen Namen der Moderne verbunden ist.

So wird „BauhausNowhaus“ zu mehr als einer Ausstellung von Möbeln. Es ist eine Begegnung von Vergangenheit und Gegenwart, von internationaler Designgeschichte und lokaler Verbundenheit – und eine ganz persönliche Rückkehr eines Quickborners an den Ort seiner Jugend. Der Kunstverein Quickborn zeigt damit eindrucksvoll, was kulturelle Vereinsarbeit leisten kann: Menschen, Ideen und Orte miteinander zu verbinden und dadurch Geschichte neu erlebbar zu machen.